“In proposing the idea of the artwork as three-dimensional, as a specific object amongst all the other objects in the world, Minimalism does call the nature of the aesthetic experience into question. In rejecting the orthodoxy of composition – the artwork as one thing rather than a thing of parts in relation to one another – it does throw the question of relation out into the space between object and viewer, and in doing so introduces a new awareness of time – and history – into the experience of looking.” Michael Archer (1)

In mehreren Retrospektiven wird derzeit die Geschichte(n) des Minimalismus als die prägende (vornehmliche US-amerikanische) kunstgeschichtliche Entwicklung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dargestellt (2). Neben einer wohl unvermeidlichen Verfestigung des Kanons an Künstlern stellen diese Shows auch die Frage nach den Auswirkungen des nun historisierten „klassischen“ Minimalismus sowie des darauf aufbauenden Post-Minimalismus auf KünstlerInnen, die sich aktuell mit dem mittlerweile angewachsenen Vokabular auseinandersetzen, um ihre eigene „Sprache“ zu schärfen.

Unter einer Reihe von (auffallend vielen europäischen) KünstlerInnen kann auch Sabina Hörtners Arbeit unter den Vorzeichen eines aktuellen Neo-Minimalismus gelesen werden. In ihren Arbeiten entwirft Hörtner reduzierte Elemente, um sie an den architektonischen Gegebenheiten des jeweiligen Umraum kontextuell auszurichten. Mittels filigraner Eingriffe öffnet Hörtner überraschende skulpturale Räume, die in ihrer variantenreichen Auslegung ein Vermessen des vorgefundenen Raumes wie des kulturellen Feldes vornimmt, aus dem heraus die Künstlerin mit ihrem Publikum in Dialog tritt.

In ihrer aktuellen Arbeit legt Hörtner über die vorgefundenen Ausstellungsräume ein räumliches Setting, das in seiner klaren wie funktionellen Form universell einsetzbar – da austauschbar – ist. Indem Hörtner die Räume leert füllt sie diese mit einem Standard-Raum an und setzt den Kubaturen eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene einfache „site“ entgegen, die den Raum angepasst an ihre Bedürfnisse produktiv macht. Mittels rund 25 Fotografien (Format: A3/A2) baut Hörtner eine ihrer Arbeitsweise entsprechende Situation auf, spiegelt diese doch Ansichten aus ihrem Atelier wieder. Die Fotografien zeigen detaillierte Ansichten von Kanten, Linien, Flächen, Formen, die sich aus der Architektur wie Möblierung des Ateliers ergeben. Durch den Einsatz eines handelsüblichen Rotationslasers (‚Manu‘), der im Hochbau wie Ausstellungsaufbau gerne verwendet wird, da er durch eine nachgeschaltete Steuerungseinheit Messdaten punktgenau erfasst wie ausliest, scannt Hörtner den Raum ab. Verstärkt wird der in seiner Hängung wiederum verdichtete räumliche Eindruck durch das lasergestützte Nachzeichnen des Raumes. Durch Hörtners Intervention verdichtet sich der Raum zu einem Objekt, das wiederum nicht an den Ort gebunden ist und den Raum neu aufmacht. In distinkter Ausformulierung – unter teils entgegengesetzten Vorzeichen – erweitern Hörtners „specific objects“ das Vokabular des Minimalismus.

1 Michael Archer, “Minimalism: LA”, Art Monthly, No 277, p 2, June 2004
2 u.a. “A Minimal Future? Art as Object”, MOCA, Los Angeles; “Singular Forms (Sometimes Repeated): Art from 1951 to the Present”, Guggenheim Museum, New York