Für Sabina Hörtner ist der Ausstellungsraum ein kulturelles Gefüge, das nicht nur durch die Kunstinstitutionen selbst definiert ist. Er ist wie jeder Raum eine Schnittstelle vieler Räume, Geschichten, Politiken, Ideologien und Ökonomien. Kunstproduktion sieht sie in diesen Zusammenhängen als einen Prozess, als eine Operation und Intervention an den Schnittstellen dieser verräumlichten Diskurse, und die Form der Interventionen nehmen selbst oftmals die Form einer Schnittstelle, einer Markierung an. In Rückgriff auf entweder alltägliche oder temporäre Produktionsmittel nehmen diese Operationen die Räume nicht als Voraussetzung für das “Werk”, vielmehr werden die Räume durch die Werke — nicht hervorgebracht, aber durch die künstlerische Arbeit als Artikulationsprozess eines Zugriffes zumindest auf Zeit mitdefiniert. Neben handelsüblichen Textmarkern, Klebebändern oder Materialien aus dem Baumarkt spielt dabei der kontrollierte Einsatz von Licht in den Arbeiten der letzten beiden Jahre eine große Rolle; Laser und maskierte Bühnenscheinwerfer punktieren Räume und Oberflächen oder tasten diese wie auch die BesucherInnen ab. Diese Form des minimierten Eingriffs hat nicht nur ästhetische Gründe: das Arbeiten mit Licht bedeutet gleichzeitig die Reduktion der künstlerischen Mittel auf ein Minimum, sozusagen an der Grenze zur Immaterialisierung des Kunstwerks. Gleichzeitig ermöglicht diese jeweils anlassbezogene Konstellation eines — nun wahrlich visuellen — Eingriffs die größtmögliche Beziehung der künstlerischen Arbeit zur Aktualität eines Standortes. Für “lebt und arbeitet in Wien”  schleust sich Sabina Hörtner sozusagen buchstäblich in die Konstruktion des Raumes ein. Indem sie die Ausstellungsarchitektur zum Ausgangspunkt nimmt, gelingt es ihr, sowohl den Raum als kulturelle Schnittstelle als auch Kunst in Beziehung zur Aktualität des Standortes zu thematisieren bzw. zu befragen.