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Sabina Hörtner

21.6.2022

Jedes Kind übernimmt bei diesem Projekt die Patenschaft für eine geschützte Pflanze der Schneealm/Rax-Region.

Wir erstellen ein Profil jeder Pflanze zuerst mit Sprache und Text, dann mit vielfältigen Mitteln der Malerei.

Kugelblume/globularia cordifolia_Marco

ISBN 978-3-200-08228-1

Das Buch erschien anlässlich des Projektes ‚Bleiben Sie bitte, PatIn!‘ 2022

Pflanze – PatIn – Portrait (ein Projekt im öffentlichen Raum im südlichen Niederösterreich und den Mürztaler Alpen)

mit Texten von:

Benedikt Narodoslawsky, Regina Novak, Karin Buol-Wischenau, Katharina Sewera-Hoffmann, Nina Horaczek, Vinko Nino Jaeger, Sabina Hörtner

 

 

 

galerie kunsthaus muerz, bis 5.6. 2022

standpktsolo 1-12

 

Bleiben Sie bitte, PatIn!

KATHI. MITTLERES ZITTERGRAS, BRIZA MEDIA, AUGUST 2021

295 x 210 mm, Pitt Artist Pen brush auf 160g Papier

 

DIVEROLLRUN ODER KRÄHEN VERSTEHEN

2021, je 210 x 295 mm, 14-teilige SW-Fotoserie

 

ragwort 080820

2021, 70 x 50 cm, Acryl auf Leinwand

 

Workshops: ‚und dann waren sie wo‘

mit Jugendlichen des Herta Reich Gymnasium Mürzzuschlag am 4.5. und 11.5.2022 im Kunsthaus Mürzzuschlag.

und dann waren sie wo

Workshop – Projekt von Sabina Hörtner

mit SchülerInnen des 4.und 5. Jahrganges des Herta-Reich-Gymnasium, 

Mai 2022

SchülerInnen des 4.und 5. Jahrganges des Herta-Reich-Gymnasium beschäftigten sich bei diesem Projekt mit den Themen

Wertschätzung, Verlust, Leerstellen und haben dabei eine vielteilige Installation auf großformatigen Stoffbahnen entwickelt.

Die Geschichte des Mädchen Herta Eisler, später Herta Reich, ihre Jugend in Mürzzuschlag »Aufgewachsen bin ich in den Bergen und herrlicher Landschaft«, die erzwungene Flucht nach dem Anschluss Österreichs 1938, floss in die Auseinandersetzung der Jugendlichen zu diesem Thema ein. 

Die Frage nach Leerstellen, die entstehen, wenn jemand/etwas geht/verschwindet, dem Verlust, den man dabei fühlt, der Wertschätzung, die man jemandem oder einer Sache entgegenbringt, waren Zugang und Basis der persönlichen Annäherung.

Auch das gegenwärtig tägliche Verschwinden von großen und kleinen Details innerhalb unseres botanischen Lebensraumes, steht bei dieser Generation im Focus und hat ein starkes Gewicht.

Die SchülerInnen erarbeiteten demnach malerisch, auf unterschiedlichste Weise, sehr kraftvolle Werke und ließen persönliche ‚Portraits’ im kunsthaus muerz entstehen. 

Wertschätzende ‚Portraits’, Bilder einer Erinnerung oder Sehnsucht, aufgesplittert, fragemtarisch und lückenhaft, wie es Gedanken manchmal sind.

Sabina Hörtner

Die Schülerin Chisom Ezike bei der Arbeit an ihrem Werk,

Acryl auf Leinen, 230 x 80 cm

cornflower 040614, 2021, Acrylfarbe auf Leinwand, 70 x 50 cm

https://www.dorotheum.com/de/l/8029488/

pine 110420, 2021, Acrylfarbe auf Leinwand, 70 x 50 cm

https://www.sosmitmensch.at/site/kunst/2021/gallery/1522.html

 

dandelion 040520, 2021, Acrylfarbe auf Leinwand, 70 x 50 cm

 

campion 020620, 2021, Acrylfarbe auf Leinwand, 70 x 50 cm

 

borage 040720, 2021, Acrylfarbe auf Leinwand, 70 x 50 cm

 

ragwort 080820, 2021, Acrylfarbe auf Leinwand, 70 x 50 cm

 

 

Betrachtung: Benedikt Narodoslawsky

Katalogtext ‚Bitte bleiben Sie, PatIn!‘

 

Welchen Wert unsere Natur hat, bekam Sabina Hörtner von ihren Eltern schon als Kind vermittelt. Die Mutter, eine Sennerin in ihrer Jugend, die viel über Kräuter wusste. Der Vater, ein begeisterter Bergsteiger, den es Tag für Tag hinaus in die Natur zog. Gab es etwas zu besprechen, ging man wandern. Schritt für Schritt, einatmen, ausatmen, reden, beobachten, dabei nichts ausreißen, nichts abschneiden. Man respektiert Pflanzen.

Manche mögen das für selbstverständlich halten. Schließlich geht es bei der Natur um nichts we- niger als unsere Lebensgrundlage. Sie gibt uns den Sauerstoff, den wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Nahrung, die wir essen, die Pflanzen, die uns heilen. Sie lässt uns leben. Und sie inspiriert uns. Seit jeher dient sie uns als Muse. Schon in der Altsteinzeit malten Menschen Hir- sche, Wildpferde und Auerochsen auf die Wände der Höhle von Lascaux. Die Ästhetik der Natur zählt zu all dem Wertvollen, das die Natur uns Menschen ohne Gegenleistung gibt. Viele ihrer Leistungen nehmen wir als gegeben hin, obwohl von ihnen abhängig sind.

So selbstverständlich der Respekt vor der Natur für manche sein mag: Gesamtgesellschaftlich scheint er irgendwo verloren gegangen zu sein. Zweierlei lässt sich seit Anbeginn der Mensch- heitsgeschichte zweifelsfrei belegen: Noch nie trat der Homo sapiens in so großer Zahl auf wie heute. Und noch nie kam die Natur seither so stark unter Druck. Der Mensch hat sich die Welt un- tertan gemacht, Gebiet um Gebiet erschlossen, das Land geformt, Sümpfe trockengelegt, Flüsse reguliert, Wälder gerodet, Raine zu Feldern umgeackert und Wiesen asphaltiert. Er hat Pflanzen totgespritzt, Tiere ausgerottet, das Wasser vergiftet, die Luft verpestet und Böden erodieren las- sen. Je weiter wir die Natur vernichten, zurückdrängen und gegen sie ankämpfen, desto mehr be- rauben wir uns unserer eigenen Zukunft.

Der fortschreitende Verlust der Biodiversität – also der Rückgang der Vielfalt des Lebens und des Artenreichtums, die unsere Existenz absichern – zählt deshalb zu den großen Krisen unserer Zeit. Etwa eine Million Arten sind heute vom Aussterben bedroht. Das hat der Weltbiodiversitätsrat IP- BES berechnet, der eindringlich warnt: „Das Artensterben beschleunigt sich, was schwerwiegende Folgen für die Menschen auf der ganzen Welt haben dürfte.“ Die fünf größten Treiber dieser Krise lauten: Veränderungen in der Land- und Meeresnutzung, direkte Ausbeutung von Organismen, Klimawandel, Verschmutzung und invasive gebietsfremde Arten.

Auch Europa trifft die Krise mit voller Härte. Ausgerechnet Österreich, das sich gern als Umwelt- musterland rühmt, ist davon besonders betroffen. Während es mit idyllischen Alpensujets Scharen an Touristen ins Land lockt, wird hinter den schönen Werbetafeln Wiese um Wiese planiert, beto- niert, exekutiert. Österreich gilt als Europameister der Bodenversiegelung, jeden Tag entreißen wir der Natur 11,5 Hektar.

Laut dem Report der Europäischen Umweltagentur zur „Umwelt in Europa“ sind hierzulande vier von fünf der bewerteten heimischen Arten in einem mangelhaften oder schlechten Zustand. Damit landet Österreich auf dem vorletzten Platz im EU-Ranking. Auch die Lebensräume sind laut dem EU-Vergleich stark unter Druck gekommen – selbst wenn das auf den ersten Blick von außen nicht gleich erkennbar ist. Die Alpenrepublik liegt beim Erhaltungszustand der Lebensräume auf Platz 18 aller EU-Mitgliedsstaaten.

Wie weit unser rücksichtsloser Raubbau an der Natur in Österreich vorangeschritten ist, lässt sich am besten an den Roten Listen ablesen, also jenen Verzeichnissen, die den bedrohten Zustand der biologischen Vielfalt in unserer Heimat gnadenlos widerspiegeln. Das Umweltbundesamt, das an sich eine nüchterne Sprache pflegt, findet bei diesem Thema sehr deutliche Worte: „Das Ge- samtbild, das sich aus den Roten Listen gefährdeter Pflanzen ergibt, ist besorgniserregend. Bei der am besten erforschten Pflanzengruppe, den Farn- und Blütenpflanzen, scheinen über 60 Pro- zent der Arten in den Roten Listen auf! Auch bei Moosen und Flechten zeichnet sich ein ähnliches Bild ab.“ Nachsatz: „Biotopzerstörung und -veränderung sind als Ursachen der Schädigung und Vernichtung von Pflanzenvorkommen von überragender Bedeutung.“

Das alles sind Fakten, die schwer im Magen liegen und kaum zu verdauen sind. Aber wie schafft man es, sie den Menschen so zu vermitteln, dass sich dieser große gesellschaftliche und selbst-zerstörerische Trend umkehrt? Wie gelingt es uns auf unserem morsch gewordenen Ast, die Säge- rInnen zu stoppen?

Worte verschwimmen, Zahlen trocknen aus. Die Warnung von IPBES, die Rankings der EU-Um- weltagentur, die Analyse des Umweltbundesamts – all das können wir schneller ausblenden als uns lieb ist. Oder können Sie sich noch erinnern, auf welchem Platz im EU-Ranking Österreich bei dem Zustand der Lebensräume liegt, wieviel Prozent der Farn- und Blütenpflanzen auf den Roten Listen aufscheinen und welche fünf Treiber die Hauptverantwortlichen für den Artenrückgang sind? Sie werden diesen Text bald vergessen haben, auch wenn Sie nach diesem Satz fünf Mal Alarm lesen werden, jedes einzelne Mal mit drei Ausrufezeichen versehen.

Alarm!!! Alarm!!! Alarm!!! Alarm!!! Alarm!!!

Wenn Worte nicht helfen, was dann? Die Kunst! Ihr kann in der Vermittlung der globalen Krisen eine bedeutende Rolle zukommen. Denn sie reicht weiter als Worte. Sie berührt Menschen jen- seits von Daten, Zahlen und Rankings. Sie erzeugt Emotion. Sie kann Verbindungen herstellen.

Sabina Hörtner baut mit ihrem „PatIn“-Projekt eine Brücke vom Menschen zu jenen Pflanzenarten, die in unserem Land selten geworden sind. Teil des Gesamtkunstwerks ist das sinnliche Erfahren. Wie einst ihre Mutter die Kräuter aufspürte, begibt sich Hörtner zunächst auf die Suche nach raren Pflanzen. Sie hat bereits die „stark gefährdete“ Sibirische Schwertlilie (Iris Sibirica) aufgespürt, die „gefährdete“ Eibe (Taxus baccata) sowie die Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia), das Purpur-Waldvöglein (Cephalanthera rubra) und die Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), die in der heimischen Roten Liste allesamt als „regional gefährdet“ gelistet sind.

Hörtner wartet bis zur Blütezeit, wenn sich die jeweilige Pflanze von ihrer schönsten Seite zeigt. Wie einst ihr Vater sie auf Wanderungen mitnahm, führt sie nun Menschen zum schützenswerten Naturschatz und macht sie zu PatInnen, die von nun an auf die Pflanzen Acht geben sollen. Bei einem gemeinsamen Picknick erstellt Hörtner Porträts von den jeweiligen PatInnen und ihren Pflanzen und knüpft dabei nicht nur ein Band zwischen Mensch und Natur, sondern auch an Clau- de Monets Gemälden mit lesenden, malenden oder spazierenden Personen in idyllischen Umge- bungen an.

Doch im Gegensatz zu Monet, der in seinen Bildern den heilen Moment inmitten einer lichtdurch- fluteten, von Schönheit geprägten Landschaft einfing, ist die Landschaft heute weit weg vom Ideal- zustand. Die Zeichnungen, die Hörtner schafft, bleiben ihrem markanten Stil der Linien treu. Ihre Porträts seltener Pflanzen erscheinen nicht nur vielfältig bunt wie die Natur selbst, sondern auch mit großen, weißen Leerstellen dazwischen. Sichtbar wird dadurch nicht nur das, was ist, sondern auch das, was fehlt. Die Werke lassen sich damit nicht nur als Würdigung, sondern auch als War- nung lesen. Jede Patin, jeder Pate erhält von der Künstlerin eine signierte und gerahmte Original- zeichnung ihrer Pflanze als Geschenk, damit sie erinnert sind an die Patenschaft und darüber er- zählen.

Wie die Pflanzen selbst ist auch dieses PatIn-Projekt gewachsen. Es wurzelt im Kunstprojekt „ten days“ von K.U.L.M im oststeirischen Pischelsdorf, als Hörtner 2014 zehn Menschen dafür gewon- nen hat, eine symbolische Patenschaft von seltenen und geschützten Pflanzen zu übernehmen. Nun kommen weitere PatInnen und Pflanzen dazu, während die Patenschaft der PionierInnen er- neuert wird.

Das PatIn-Projekt ist eine Reaktion darauf, dass in den vergangenen Jahrzehnten etwas Großes ins Rutschen geraten ist. Es geht bergab. Wer PatIn ist, spürt das, wird sensibel und aufmerksa- mer durchs Leben gehen, wird schon allein aufgrund seiner verantwortungsvollen Aufgabe zum/ zur NaturschützerIn. „Dieser Aktion liegt der Gedanke an die nach wie vor bedrohliche Situation des Pflanzen- und Artensterbens zugrunde und dass es sich beim Bemühen und Trachten, diese Arten zu schützen und zu erhalten, nicht um temporäres Engagement handeln darf“, erklärt Hört- ner.

Denn PatIn zu sein, heißt eine Lebensaufgabe zu übernehmen.

 

 

 

Die Klammern sind an den Wandflächen zwischen den Fensteröffnungen des Umgangs angebracht: 32 Emailleobjekte, 13,5 cm hoch, ein Quadrat an der Seite zum Innenraum hin, dann um das Eck des Betonquaders herum und über die ganze Tiefe des Quaders. Die Tafeln sind weiß emailliert und farbig bemalt. Die Bemalung besteht aus jeweils nur zwei Strichen, einem breiten oben und einem schmalen darunter. Die Farben entsprechen den liturgischen Farben des Kirchenjahres. Im Uhrzeigersinn betrachtet ergibt sich so ein Weg durch das Jahr, von der Fastenzeit bis hin zum Aschermittwoch. Dass der Anfang mit der Fastenzeit gemacht wird, ergibt sich durch das Datum der Anbringung der Installation in der Fastenzeit 2020. (mehr …)

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‚Es macht was aus was es ist was es aus uns macht’, 2016             
Acryl auf Leinwand, 95  x 135 cm

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‚A. macht es was aus‘,  2017          
Acryl auf Leinwand, 95 x 120 cm

 

 

 

Temporäre Intervention in Bezug zu: Sprachspiel. Biennale West 2016.

Organisation, Konzept: Ulrike Tauss

Dreitägiges Festival in Gedenken an H.C. Artmann zu seinem 95. Geburtstag mit Lesungen, Filmvorführungen und Gesprächen.

10.06. – 12.06.2016, Breitenseer Lichtspiele, 1140

 

8 pt 4 web

8 pt  als Schriftgröße. 8 pt als Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes (1953)

Es gibt einen Satz, der unangreifbar ist, nämlich der, dass man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben.
Vorbedingung ist aber der mehr oder minder gefühlte Wunsch, poetisch handeln zu wollen. Die alogische Geste selbst kann, derart ausgeführt, zu einem Act ausgezeichneter Schönheit, ja zum Gedicht erhoben werden. Schönheit allerdings ist ein Begriff, der sich hier in einem sehr geweiteten Spielraum bewegen darf.

 

8 pt 3 web

2 Messingplatten, gebürstet

je 10 cm x 14 cm

Fotos: Renate Mihatsch

8 pt 2 web

Eine Workshop-Reihe für Jugendliche im Atelier Otto-Bauer-Gasse 19/8

Zeitraum: Mai/Juni/November 2019.

Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren arbeiten mit Professionistinnen aus verschiedenen Kunstsparten um bestehende Interessen/Leidenschaften zu vertiefen bzw verborgene zu entdecken. Haptik als Taktik.

Künstlerinnen sind

Piroska Szekely/Pantomime, Simon Goritschnig/Zeichnung, Sabina Hörtner/Portrait, Ida Steixner/#meshit, Ulrike Tauss/Literatur, Edda Strobl/tonto-Comics, Christiane Gruber/Awareness & Conciousness.

IdaWEB

 

 

 

 

 

Installation an der Fassade des kunsthaus muerz 6 Bannerfahnen á 575 x 150cm, Polyestergewirke

Vorhang / Installation an der Fassade des kunsthaus muerz 2016 6 Bannerfahnen á 575 x 150cm, Polyestergewirke

Fassade 8web Fassade 12web

lüften oder nach das Fenster auf

 

ohne Start kein Ziel. reisenzeichnen

kuratiert von Sabina Hörtner / Laufzeit der Ausstellung: 09.04.2016 bis 26.06.2016

Teilnehmende KünstlerInnen:

Almut Rink /Bernhard Frue / Edda Strobl / Klaus Schafler /  Leung Chi Wo / Marlene Hausegger / Renate Mihatsch / Sabina Hörtner / Simon Goritschnig

 

Auf Reisen zu gehen, in der Welt Spuren zu ziehen, ‚Reisen zu zeichnen‘,
bedarf einer anfänglichen Motivation, eines Impulses: das Interesse, zu entdecken, die Sehnsucht, sich zu verändern oder die dringende, oft erzwungene Notwendigkeit, den Standort zu wechseln.
Reise ist eine Form der Fortbewegung, um ein Ziel zu erreichen, meist über eine größere Entfernung. Reise ist Ortsveränderung, eine temporäre Abwesenheit vom festen Wohnsitz.

Der Moment des Starts, der Ausgangspunkt und das Ziel definieren den Begriff der Reise. Zweckgerichtetes, selbstbestimmt zielorientiertes Reisen (aus mitteleuropäischer Sicht) steht im Gegensatz zu Motiven wie Flucht oder Vertreibung.

Als ich vor beinahe zwei Jahren diese Ausstellung mit dem Arbeitstitel reisenzeichnen angedacht und Künstler*innen, die divergierende künstlerische Positionen einnehmen, eingeladen habe, aus ihrem persönlichen Zugang Beiträge zu erarbeiten, war die weltweite Flüchtlingssituation bereits prekär und hatte als wesentlicher Aspekt in der Ausarbeitung des Konzeptes und im ‚Profil‘ dieser ‚Jahresausstellung 2016‘ große Relevanz.

In der Zwischenzeit veränderte sich die Situation dramatisch, sichtbar nicht nur an der Zahl der sich weltweit auf der Flucht befindenden Menschen. Die nationale und internationale Tagespolitik ist damit beschäftigt, Strukturen innerhalb der kräftigen, die Gesellschaft und Politik verändernden Dynamik zu finden, und privates Engagement ist schon aus menschlichen Beweggründen unumgänglich und erforderlich.

In diesem Ausstellungsprojekt obliegt es den Künstlerinnen und Künstlern ihre Arbeiten in jenen, die Allgemeinheit bewegenden Kontext, oder in den einer persönlich motivierten Reise zu stellen. Es werden hier neun unterschiedliche Positionen gezeigt, der Blick ist sowohl nach ‚außen‘ als auch nach ‚innen‘ gerichtet. Es ist hier oft die Methodik der Zeichnung, als Möglichkeit zur unmittelbaren Reaktion auf das Wahrgenommene, die hier zur Basis der künstlerischen Handlung wird, ebenso die Rauminstallation und der Film, als Zeichnung im erweiterten Sinn.

Ein wesentlicher Aspekt neben diesen von Beginn an in der Ausstellung gezeigten Arbeiten ist der Prozess, die Bewegung während des Ausstellungsverlaufes und die damit einhergehende Kommunikation und Vermittlungsarbeit.

Während der gesamten Ausstellungsdauer werden wöchentlich Workshops, Künstlergespräche und Aktionen von und mit allen involvierten Künstlerinnen und Künstlern, unter Betreuung u. a. von Regina Novak, stattfinden.
Diese Projekte werden sich unter Beteiligung von Personen aus verschiedensten Altersgruppen und Hintergründen mit der Thematik in einem dem künstlerischen Zugang entsprechenden Medium auseinandersetzen.
Es wird dabei im kunsthaus muerz und im öffentlichen Raum gearbeitet. Die entstehenden Resultate der Projekte werden in die Ausstellung integriert und verändern sukzessive das anfängliche Erscheinungsbild dieser Raumsituation.
Es erscheint neben dem ersten Heft ohne Start, das den Ausgangspunkt dokumentiert, am Ende der Ausstellung ein zweites Heft kein Ziel, die Dokumentation des Verlaufes.
Wir werden sehen, wohin die Reise führt.

Sabina Hörtner

 

Raumansicht 115-teilige Zeichnug, a 50 x 70 cm Acrylmarker auf Bristolkarton

Raumansicht
115-teilige Zeichnug, 2014
a 50 cm x 70 cm
Acrylmarker auf Bristolkarton, Hartfaserplatten,

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Text: Heike Maier-Rieper

Topografien jeglicher Art, seien es wuchtige Gebirgszüge oder weite Hügel, können durch Höhenlinien grafisch sichtbar gemacht werden. Dabei verbinden die Isohypsen Punkte gleicher Höhe zu einer Linie. Die so angelegte mehrschichtige Darstellung besteht aus einer sich aus dem Maßstab heraus entwickelnden Anzahl an Linien, die zueinander denselben Abstand haben.

Wie diese Kartografien folgen auch die Arbeiten von Sabina Hörtner einer konsequenten Systematik. Der Bezug auf konkrete architektonische oder geografische Räume ist dabei ein wesentlicher Faktor. So gibt die Rasterung auf Sabina Hörtners Zeichensystem als ordnendes Element, ähnlich wie die davon formal völlig unterschiedlichen kartografischen Höhenlinien, eine Struktur vor.

Über die lesbare Geoinformation hinausgehend, eröffnet der künstlerische Zugang weitere Zusammenhänge. Aus der Gesamtheit einer Installation heraus gilt es, Teil für Teil für sich zu entschlüsseln und zu entdecken.

Der Ausgangspunkt für dereineteildesganzen ist eine Linie zwischen Landschaft und Himmel, die die Künstlerin vom Hartberger Kirchturm aus festgehalten hat: kein schroffes Bergmassiv, sondern die sanft bewegte Kontur des steirischen Hügellandes. Die „Vermessung“ durch die Künstlerin findet durch eine, ihre, individuelle Höhenlinie, der Übertragung des Horizonts auf Papier, statt.

Als eine Art von „Bruchlinie“ neu formiert, zeigt sie sich auf den 115 handgezeichneten Blättern der Rauminstallation. Das strenge orthogonale Rastersystem der einzelnen Blätter wird in mehreren Gruppen aneinandergereiht und durch Zwischenblätter aufgelockert. Gemeinsam mit den starken farblichen Veränderungen wird rhythmisch in eine neue Syntax übergeführt.

So entsteht eine mehrdimensionale Wahrnehmung des Raums, die weniger ein Abbild, sondern das Erfassen eines Moments ist.

Wie durch ein Objektiv gesehen, erfährt die unmittelbare Umgebung eine optische Veränderung, und, je nach Standort, ein Zoom-in oder Zoom-out. Die aktive Rolle der Betrachterinnen und Betrachter lässt ihre Raumerfahrung dabei wie verschiedene Brennweiten, wie ein Spiel von Nähe und Ferne, funktionieren. Diese Erlebbarkeit des Raums wird durch die Materialität und die konkrete Ausführung durch die Künstlerin zusätzlich intensiviert.

Sabina Hörtner verwendet in all ihren Arbeiten handelsübliche Materialien, wie z. B. genormte Papiersorten und -formate, Stifte in gängiger Farbpalette. Hier werden Acrylmarker, bekannt von Graffiti-Tags der Street Art, eingesetzt. In ihrer starken Pigmentierung ähneln die Linien, bedingt auch durch leichte Unregelmäßigkeiten des Auftrags, dicken Pinselstrichen. Die zeichnerische Komponente des Rastersystems wird so von einer zarten malerischen Geste unterwandert, Haptik, Takt und Dynamik eingebracht.

Ja, Sabina Hörtner arbeitet mit Linien. Aber der Raum, den sie entstehen lässt, ist eine herausfordernde Symbiose aus viel mehr Elementen: aus Farbe, aus Licht, aus Form, aus Rhythmus. Aber vor allem aktiviert dieser konkrete wie abstrakte Raum die menschliche Fähigkeit zur Wahrnehmung. Und bietet im komplexen Zusammenhang der Ganzheit auch die Möglichkeit zur individuellen Verortung.

Ateliersituation Premhaus

Ateliersituation Premhaus

10 Tage – 10 Patenschaften für folgende 10 geschützte Pflanzen der Region:

Breitblättriges Knabenkraut, Breitblättrige Stendelwurz, Fuchsknabenkraut, Grau-Kratzdistel, Europa-Hopfenbuche,

Vogel-Nestwurz, Sibirische Schwertlilie, Weiße Waldhyazinthe, Weißes Waldvöglein, Purpur Waldvöglein.

Datail Rauminstallation

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