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Sabina Hörtner

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0803 / 2003
Asphaltklebefolie
Foto: Lisi Rastl

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0803 / 2003
Asphaltklebefolie
Foto: Lisi Rastl

Die Installation entstand zur Ausstellung Abstraction now (Kuratoren: Sandro Droschl, Norbert Pfaffenbichler)

Die Eingangstreppe zum Künstlerhaus Wien wird flankiert von vier wichtigen historischen, skulptural überlebensgroß dargestellten Vertretern der gegenständlichen Kunst: Donato Bramante, Diego Velázquez, Tiziano Vecelli und Leonardo da Vinci.
Jeder dieser vier Künstler hat eine bestimmte Körper – bzw. Kopfhaltung und Blickrichtung. Verfolgt man diese Blicke, findet sich nun an eben dieser Position am Boden dieses Platzes inmitten klassizistischer und barocker Architektur jeweils eine orange, abstrakte Form in linearer Auflösung, der Umriss ähnlich einem Trapez oder Rechteck aus im Straßenbau verwendeten Alphaltklebebändern. Werden diese abstrakten Formen jedoch aus der Blickhöhe dieser gegenständlichen Künstler aus der Vergangenheit gesehen, sind sie als die grundlegendste Form der Abstraktion zu sehen: als Quadrat – figurative Kunst meets ‚Abstraction now‘.

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Als 1996 die Zahlenkombination des Frauen-Notrufes aus 1,80 Meter hohem und 5 Meter breitem Nirostastahl von Veronika Dreier als Mahnmal zwischen Mur und Franziskanerkirche aufgestellt wurde, war dies das erste Werk einer Künstlerin im öffentlichen Raum von Graz. Eine kritische Bestandsaufnahme der Denkmäler ergab, dass von 195 Monumenten in Graz 191 zum Ruhm von Männern aufgestellt waren. Eine ähnliche Situation zeigt eine erste wissenschaftliche Bestandsaufnahme der Grazer Gedenktafeln, nur 14 waren ausschließlich Frauen, rund 200 Männern gewidmet.

Das Projekt WOMENT! – 20+03 ORTE wurde entwickelt, um diesem Missstand der jüngeren Geschichte ein positives Signal entgegenzusetzen. Schließlich war Graz im 19. Jahrhundert den Frauen gegenüber aufgeschlossener als die Metropole Wien. An der Grazer Zeichnungsakademie waren Frauen seit 1806 zum Studium zugelassen, in Wien war Frauen ein Studium aller Fächer an der Akademie der bildenden Kunst erst ab 1918 möglich. Das von Frauen initiierte und organisierte Projekt „20+03 ORTE“ schrieb für die Gestaltung der Gedenktafeln für Frauen einen Wettbewerb aus, zu dem ausschließlich Künstlerinnen geladen waren. Der Vorschlag von Sabina Hörtner wurde von der Jury einstimmig als Siegerinprojekt ausgelobt und zur Realisierung empfohlen. Hörtners Entwurf zeichnet ein intelligentes ebenso vielseitiges wie schlüssiges Konzept aus. Sie vernetzt die an 23 Orten anzubringenden Tafeln farblich und linear durch eine übergeordnete subtile optische Identität, bei Beibehaltung des solitären Charakters jeder einzelnen Tafel. Die miteinander verknüpften Linien und die wechselnden Farben finden nach einer durch Zeit und Raum determinierten Trennung Fortsetzung und Anschluss an einem bestimmten Punkt des formalen Systems im öffentlichen Raum. Die gemeinsame Identität erhebt den Prozess zum gestalterischen Prinzip der Arbeit, die sowohl mit Grafik, Skulptur, Architektur, Environment als auch mit Malerei in einem sehr erweiterten Sinn in Verbindung zu bringen ist. Indem Sabina Hörtner sich in Plastizität und Materialität an den alten Emailtafeln der Straßenbeschilderung orientiert, appelliert sie an den Wiedererkennungswert gewohnter Wahrnehmungsmuster der Vergangenheit. Eigenständige künstlerische Position, Klarheit der Bildmittel, Wiederkennungswert und Ausbaufähigkeit der Idee bilden gemeinsam jene Komplexität, die dieses Projekt zur Würdigung von Frauen auszeichnet.

Ein von WOMENT! (http://woment.mur.at) geladener Wettbewerb zur Gestaltung von 23 Gedenktafeln für Frauen (20+03 Orte) in Graz.
Die Realisierung fand innerhalb von Graz 2003 – Kulturhauptstadt Europas statt. Die im gesamten Grazer Stadtraum montierten Tafeln bleiben der Stadt als permanente Installation erhalten.

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Würdigungstafel für Maria Cäsar / 2003
Emailtafel, 26,5 x 60cm

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Würdigungstafel für Djavidan Hanum / 2003
Emailtafel, 26,5 x 60cm

Text: Gedenktafeln für Frauen nach einem Entwurf von Sabina Hörtner / Gertrude Celedin 

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Die Fotoarbeit ‚Bad head day‘, 2003 zeigt das traditionelle Gruppenfoto der damals neuen oesterreichischen Bundesregierung am Freitag, 28. Feb. 2003, aufgenommen im Bundeskanzleramt in Wien.

Die Abgebildeten angelobten MinisterInnen werden mit glühenden Augen gezeigt.

 

 

Die Installation nimmt Bezug auf die Raumstruktur sowie die geschichtlichen Zusammenhänge der Galerie.
In der Gesindeküche des ehemaligen Hammerhauses sind 4 Ventilatoren mit züngelnden Plastikbändern positioniert, am Boden dampft Nebel aus einer Nebelmaschine.
Im dunklen Vorratsraum sieht man die Videoprojektion ‚Und es lebt doch‘, ein sich windender Schlauch als lebende Materie in einem Kubus aus Licht.
Die Installation ‚Twins‘, zwei spiegelverkehrte, wandgroße Filzstiftzeichnungen, schließt oder öffnet als Fenster die Ausstellung auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite überblickt die übergroße Fotoarbeit ‚Braune Augen‘ die Situation, beim näheren Betrachten sieht man einen roten Lichtpunkt, der eines der Augen heilt oder zerstört.

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Und es lebt doch / 2002
Beamer/Projektion

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Twin 01 / 2002
Edding Permanent Marker auf Briston Karton
200 x 390cm, 24-teilig à 50 x 65cm
Foto: Daniel Hafner

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Twin 02 / 2002
Edding Permanent Marker auf Briston Karton
200 x 390cm, 24-teilig à 50 x 65cm
Foto: Daniel Hafner

„Farbe bekennen“ als Titel für (unter anderem) künstlerische Interventionen zu wählen, stellt alle Beteiligten natürlich unter einen gewissen Druck, sich zu positionieren. Bloß, was soll man sich – gerade im Bereich „bildender“ Kunst – darunter vorstellen, nach einem Jahrhundert voll von Tendenzen gerade auch sich radikalisierender künstlerischer Positionen, will man diese nun Avantgarde nennen oder nicht (mehr). Und was könnte man sich unter Radikalität einer Position vorstellen, nachdem alles zu einem Thema der Kunst geworden ist, nachdem Begriffe wie Autorenschaft, Materialität und Inhalt zielmlich dekonstruiert zurückgelassen wurden? „Farbe bekennen“ bedeutet in derart ausgefransten künstlerischen Diskursen zunächst und vor allem, sich in diesem unübersichtlichen Terrain zeitgenössischer Kunst zu positionieren, das sich zu allem Überfluss noch ständig mit historischen Positionen und Strategien auflädt. Robert Adrian hat (in ganz anderem Zusammenhang) 1989 geschrieben: „Es wird heute immer schwieriger, Kunst von allem anderen zu unterscheiden – das geht zur Zeit so weit, daß etwas, das wie Kunst aussieht, wahrscheinlich gar keine ist.“ Wenn damit nur annähernd zutreffend die schwierige Situation zeitgenössischer Kunst mit ihrer langen und konfliktreichen Geschichte an Überschreitungen, Entgrenzungen und permanenten Selbstauflösungstendenzen beschrieben ist, wird die Situation noch komplizierter. Wenn also eine Reihe wichtiger Parameter künstlerischer Produktion höchst fragile und unbestimmte Bezugspunkte geworden sind, gerät unweigerlich der je konkrete Produktionszusammenhang in den Mittelpunkt einer Untersuchung sowohl der Mittel als auch der Position einer künstlerischen Intervention. Was gesagt werden kann, wird von einem konkreten Subjekt an einem konkreten Ort aus gesagt. (mehr …)

Sabina Hörtner verwendet als Arbeitsmittel für ihre Zeichnungen industriell gefertigtes, unprätentiöses Material, das allgemein gebräuchlich und überall erhältlich ist: Edding Marker, einfache Filzstifte, in den gängigsten Farben Rot, Grün und Blau.
Dass die Künstlerin dem mit dem Kunstbegriff verbundenen Pathos entkommen möchte, zeigt sich nicht nur hier, sondern auch in ihrer Intention, weniger bleibende Werke zu schaffen, als zu intervenieren, Situationen zu erzeugen, variable Möglichkeiten des Umgangs mit räumlichen Vorgaben auszuloten. Ihre Bestrebungen realisiert die Gironcoli-Schülerin in verschiedenen Medien wie der Skulptur, der Rauminstallation und der Zeichnung, immer aber unter Einsatz der einfachen, geraden Linie.

Hörtner reagiert spontan und intuitiv auf räumliche Gegebenheiten, wobei sie ihr Interesse weniger dem architektonischen Raum widmet als dem menschlichen Umraum. Für sie entsteht Räumlichkeit durch Anwesenheit, momentane Handlungen bzw. Ereignisse, in denen sich stets verändernde Beziehungen zwischen den Anwesenden ausbilden, und in der Wahrnehmung. Damit vertritt die Künstlerin einen aktiven Raumbegriff, der uralte historische Wurzeln im ostasiatischen Kulturraum besitzt, vor dem Hintergrund der Erfahrung mit den virtuellen, entmaterialisierten Räumen des Cyberspace aber seit jüngerer Zeit auch in der westlichen Welt diskutiert wird. Hörtner thematisiert den Raum mithilfe von Linienrastern, die sie in einem zeitaufwendigen Arbeitsprozess unter Anwendung eines Lineals auf einzelne Papierbögen zeichnet. Ein numerisches Zahlensystem auf der Rückseite der Blätter zeigt die Reihenfolge an, in der diese Einzelteile schließlich zu großen Bildflächen zusammengefügt werden. Weil zwischen den einzelnen Zeichenblättern leichte Brüche in der Kontinuität der Linienführung wahrnehmbar werden, entsteht der Eindruck eines in sich gebrochenen, fragmentierten, zersplitterten Gefüges.
Die tägliche stundenlange Arbeit des gleichmäßigen, systematischen Linienziehens, in der sich ein bestimmter Rhythmus der Bewegung einstellt, erfordert hohe Konzentration und besitzt meditative Qualitäten. Der Farbauftrag der flachen, geraden Linien ist nicht durch Räumlichkeit suggerierende Schattierungen differenziert, aber er ist auch nicht völlig homogen, weil die Farbintensität mit der Länge der gezogenen Linie abnimmt. Schattenwirkungen und der Eindruck tiefenräumlicher Perspektiven entstehen allein im Kreuzungsbereich der Linien. (mehr …)

Mobility, mutability, elusiveness of form are essential aspects of Sabina Hoertner’s art. To achieve them, the artist keeps her aesthetic and formal options open, and refreshingly unique. In her last solo show, at the Grita Insam Gallery in Vienna, Hoertner hung rows of transparent plastic strips from a frame of heavy metal rods. Set on wheels, the work evoked some curious, industrial armature. A series of fans blew a strong stream of wind onto the strips, sweeping them up in the air, and transforming them into slivers of scintillating translucency. Swirling in serpentine curves through the gallery space, these ghost-like strips augmented the installation’s intangible quality. Rounding of the project, Hoertner recorded all the visitors to the exhibition on videotape. This film was shown on a small screen placed close to the installation, thus bringing into play—and into view—the presence and reactions of the spectators. Occupying an indefinite formal territory, the overall installation was charged with a mystifying, yet gripping, expressive valence. Initially little bewildering, in terms of handling, composition, materials, and color, the piece could also be described as spartan. At the same time, however, the various components-fluttering transparent bands, mobile metal armature and live action video recording of the vistors, were all carefully orchestrated to leave the whole open to the ebb and flow of of a host of unpredictable exigencies, suggesting a desire to reach beyond aesthetics or metaphors towards a more concrete, reality-based creativity. (mehr …)

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O.T. / 2001
Edding Permanent Marker auf Bristol Karton
Gesamtgröße 450 x 975 cm
135-teilig à 50 x 65 cm

Im Stiegenhaus der Neuen Galerie zeigt Sabina Hörtner ein wandfüllendes Tableau, das sich aus Filzstiftzeichnungen in einer konsequenten Aneinanderreihung von Linien in Primärfarben zusammensetzt. Diese Filzstiftarbeiten erinnern an Computergrafiken, die einerseits einen provokativen und ironischen Umgang mit dem Computer aufzeigen und andererseits durch ihre monumentale Flächigkeit perzeptuale Prozesse indizieren. Durch die präzise Aufeinanderfolge bzw. Stapelung von Linien entsteht eine Irritation für den Betrachter, der gezwungen ist zwischen räumlichen und flächigem Sehen zu differenzieren und sich deshalb mit seinen Wahrnehmungsvorgängen auseinandersetzen muss.
(Dr. Christa Steinle)

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Ein wesentliches Problemfeld der künstlerischen Praxis von Sabina Hörtner bilden seit einigen Jahren Arbeiten in situ und auf Zeit, sozusagen raumbezogene temporäre Arbeiten. Im Studio der Neuen Galerie wurde in ihrer Ausstellung 1997 der Fußboden in wochenlanger Arbeit mit farbigen Klebestreifen zu einer polychromen Bodenskulptur gestaltet. Eine fix montierte Kamera hat im Zeitraffer diesen künstlerischen Prozess dokumentiert. Dieser Film zeigte die vierte Dimension dieser räumlichen Arbeit, nämlich die Dauer der Zeit, welche diese Raumarbeit benötigte. Es gehört seit den 60er Jahren zu den Problemstellungen der Skulptur, dass sie unter dem Druck der zeitbasierten Medien wie Film und Video auch temporale Aspekte des Raumes behandeln muss. Im Verhältnis zu früheren Installationen spielte in dieser Arbeit im Studio der Neuen Galerie die zeitliche Struktur eine wesentliche Rolle. Während der Ausstellungsdauer, sozusagen als Work in progress, griff Hörtner täglich in den Raum ein, veränderte ihn langsam mit ihren malerischen Mitteln, täglich wurden neue Resultate sichtbar. Dieser Vorgang wurde mittels einer Videokamera mit Timer dokumentiert, sodass sich die Frage stellte, ob diese Zurschaustellung des Arbeitsprozesses als eine Verlangsamung zu verstehen ist oder als eine Ausdehnung der in situ Arbeit in tempore. (mehr …)

Die Installation, in der Dimension beschrieben durch wenige Gerüststangen (Linien ergeben einen proportional zum Raum freistehenden Kubus), funktionierte autonom zum bestehenden UmRaum. Mit Gerüststangen wurde auf vorhandenes Material zurückgegriffen, um den ästhetischen Gestaltungsmoment zu reduzieren. An der „Decke“ (Querverstrebungen) dieses offenen Kubus‘ waren auf den Boden hängende, überlange, transparente Plastikbänder montiert, die von einer Windmaschine bewegt wurden und sich dadurch langsam verknüpften. Dieser Prozeß und die aktiven/passiven Besucher wurden von einer im Intervall-Modus programmierten Videokamera beobachtet/dokumentiert. Am daneben laufenden Monitor war der Verlauf ablesbar. Nach einigen Wochen waren die Bänder zu einer hängenden Skulptur verknüpft.

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27 4 – 9 5 – 30 5 – 11 6 / 2000
Gerüst, Plastikfolie, Windmaschine, Videokamera

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